Warum wir unser Haus besetzen

Am 27. Februar 1977 wurde die ehemalige Polizeiwache in der Münzgasse 13 besetzt. In den folgenden Jahrzehnten ist die Münze 13 ein Zuhause für die verschiedenen und wechselnden Bewohner:innen geworden. Darüber hinaus entstand mit ihrer Hausbar, dem Blauen Salon, ein wichtiger nicht-kommerzieller Treffpunkt, Raum für Subkultur und ein zentraler Ort des alternativen Tübinger Lebens. Am Jahrestag der Besetzung gibt es dieses Jahr allerdings kein Fest – und das liegt nicht nur an Corona. Wir sind nicht in der Stimmung zu feiern, denn der Fortbestand der Münze 13 ist bedroht.


Bislang beruht der Status Quo als selbstverwaltetes Wohnprojekt auf einem instabilen und wenig zuverlässigen, rechtlichen sowie politischen Fundament. Wir mieten vom Studentenwerk e.V., das zwar nie einen Vertrag über die Nutzung der Immobilie abgeschlossen hat, aber monatlich die Miete weiterüberweist an den Besitzer, das Studierendenwerk AdöR. Dieses Konstrukt entstand, da die Bewohner:innen hier seit der Besetzung unabhängig vom Studierendenstatus und ohne Zeitbegrenzung leben. Das StuWe AdöR vermietet aufgrund seiner Regelungen nur an Studierende und mit Wohnzeitbegrenzung. Die Münze 13 wird geduldet und ist abhängig vom Wohlwollen des jeweiligen Chefs, was den Bewohner:innen aber keine gesicherte Perspektive bietet und unserem Streben nach Selbstverwaltung entgegensteht. Der aktuelle Vorsitzende Oliver Schill hat bis jetzt jeglichen Dialog mit den Bewohner:innen verweigert.
Unsere Situation kennen auch andere selbstverwaltete Häuser in Tübingen: Das Leibnizhaus 2 und das Leibnizhaus 3 auf dem Österberg stehen auf einem ähnlichen Fundament wie die Münze – sie kennen das angespannte Verhältnis mit dem StuWe AdöR nur zu gut.
In den letzten sieben Jahren haben wir unermüdlich Gesprächseinladungen versendet, um gemeinsam über die Perspektive des Hauses zu sprechen oder zumindest eine feste Ansprechperson und ein eigenes Sanierungsbudget zu bekommen. Jede Einladung wurde ausgeschlagen. Statt die Meldungen über den Zustand des Hauses ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Bewohner:innen einen Plan zur langfristigen Sicherung zu erstellen, hat das Stuwe AdöR einen Investitionsstopp verhängt. Seitdem werden mit Glück noch kleinere Reparaturen durchgeführt, die Bausubstanz verfällt jedoch größtenteils ungehindert. Das an sich ist schon deprimierend. Seit Ende letzten Jahres ist die Heizung kaputt und neben der Kälte in den vergangenen Wochen finden wir das Leck an der Gasamatur auf unserem Dachboden äußerst besorgniserregend.

Wir haben kein Vertrauen mehr, dass die Münze 13 unter dem Dach des Studierendenwerks AdöR dauerhaft bestehen kann. Beispiele wie die Wilhelma oder Münze 7 zeigen, was nach einer Sanierungsverschleppung droht: Entmietung, Kernsanierung, Mietpreisverdopplung. Anstelle eines nachhaltigen Gebäudemangament wurden die Häuser so lange heruntergewirtschaftet bis die Bewohner:innen aufgrund dessen Zustands entmietet werden konnten. Bei der anschließenden Kernsanierung wurde keine Rücksicht auf die Wünsche der Bewohner:innen genommen und die Selbstverwaltung eingeschränkt. So etwas darf nicht noch einmal passieren! Deshalb ist jetzt die Zeit der netten Briefe und höflichen Bitten vorbei. Zum ersten März stellen wir die Mietzahlungen ein. Die einzigen Gespräche, die wir als Münze 13 noch mit dem StuWe führen werden, sind Kaufverhandlungen.

  • Durch die Sicherung der günstigen Mieten kann die Münze 13 ein Ort bleiben, an dem neben Studierenden und Auszubildenen aller Hintergründe auch Erwerbstätige, Erwerbslose, Rentner:innen und Lebenskünstler:innen zentral und in Gemeinschaft leben können.
  • Das StuWe kann mit dem Geld aus dem Verkauf seiner Aufgabe nachkommen und weiteren Wohnraum für Studierende schaffen. Momentan stellt das StuWe Wohnraum für nur etwa 11,3% (Stand 2020, nach eigenen Berechnungen) aller Studierenden bereit. In Anbetracht des angespannten Immobiliensmarkts und der Konkurrenz um freien und bezahlbaren Wohnraum in Tübingen ist dies nicht ausreichend.
  • Durch den Hauskauf wären wir in der Lage, uns angemessen um die Sanierung sowie Instandhaltung der Münze 13 zu kümmern. Die gegenwärtige Vernachlässigung beeinträchtigt nicht nur akut die Wohnqualität, sondern schadet langfristig der Bausubstanz des denkmalgeschützen Hauses. Auch der Energie-Standard des Hauses ist in Anbetracht der globalen Klimakrise untragbar und widerspricht all unseren Überzeugungen für zukunftsfähiges Wohnen.

In dieser festgefahrenen Situation sehen wir keine andere Lösung mehr:

Dieses Haus ist besetzt, bis wir kaufen dürfen.

Die Häuser denen, die drin wohnen!

Instandbesetzen statt kaputtbesitzen!

Die Bewohner:innen der Münze 13

Und in Solidarität mit der Besetzung, die Bewohner:innen der Häuser LH2 und LH3

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